Erinnerungen eines Katholiken

M

Mellnau

Guest
Da ich ja nun katholisch bin, fühle ich mich aufgerufen, auch einen Thread zum Thema "katholische Christen" zu eröffnen.
Ich habe verschiedene Erinnerungen an meine katholische Kindheit.

Beginnen möchte ich mit den guten Erinnerungen.

Gefalllen hat mir stets die Feierlichkeit der Gottesdienste.
Orgelmusik, Gesang, schöne Bilder und Statuen, Blumen, und ja: auch die so geheimnisvolle feierliche lateinische Sprache.
Und ja - auch die feierlichen Prozessionen.
All das gab mir das Gefühl, dass es jenseits des grauen Alltagslebens auch noch etwas anderes gibt.

Soweit einmal zunächst.

Vielleicht habt ihr Fragen dazu?
 
M

Mellnau

Guest
@ die feierliche lateinische Sprache

Dazu ein Erlebnis:
Es war in Kent in Südengland, wo ich während eines England-Urlaubs an einem Gottesdienst im Freien teilnahm.
Im Freien deshalb, weil kein Kirchengebäude all die Teilnehmer hätte fassen können.
Es war eine Feier zum Jubiläum der Christianisierung Englands.

Der Erzbschof von Canterbury war da, alle anglikanischen Bischöfe Englands, und die meisten anglikanischen Bischöfe aus dem Commonwealth.
Dann der katholische Kardinal von Westminster, und auch die meisten katholischen Bischöfe Englands und des Commonwealth.
Dazu noch viele evangelisch-freikirchliche Geistliche aus England und dem Commonwealth.

Eine weltweite Sache also.

Und dann wurde das Credo in lateinischer Sprache gesungen.
Genau nach der gleichen Melodie, wie es auch in meiner Heimatkirche immer gesungen wurde.
Und wie es seit Jahrhunderten gesungen wird.

Es war ein Erlebnis über Zeit und Raum hinweg.
Ich war tief bewegt und gerührt.
Könnt ihr das nachvollziehen?


Credo in unum Deum
Patrem omnipotentem,
factorem cæli et terræ,
visibilium omnium et invisibilium;
et in unum Dominum Iesum Christum,
Filium Dei unigenitum,
et ex Patre natum ante omnia sæcula,
Deum de Deo, lumen de lumine,
Deum verum de Deo vero .....


Hier der Beginn des Credo.
 
D

Durga Lal

Guest
@ die feierliche lateinische Sprache

Dazu ein Erlebnis:
Es war in Kent in Südengland, wo ich während eines England-Urlaubs an einem Gottesdienst im Freien teilnahm.
Im Freien deshalb, weil kein Kirchengebäude all die Teilnehmer hätte fassen können.
Es war eine Feier zum Jubiläum der Christianisierung Englands.

Der Erzbschof von Canterbury war da, alle anglikanischen Bischöfe Englands, und die meisten anglikanischen Bischöfe aus dem Commonwealth.
Dann der katholische Kardinal von Westminster, und auch die meisten katholischen Bischöfe Englands und des Commonwealth.
Dazu noch viele evangelisch-freikirchliche Geistliche aus England und dem Commonwealth.

Eine weltweite Sache also.

Und dann wurde das Credo in lateinischer Sprache gesungen.
Genau nach der gleichen Melodie, wie es auch in meiner Heimatkirche immer gesungen wurde.
Und wie es seit Jahrhunderten gesungen wird.

Es war ein Erlebnis über Zeit und Raum hinweg.
Ich war tief bewegt und gerührt.
Könnt ihr das nachvollziehen?


Credo in unum Deum
Patrem omnipotentem,
factorem cæli et terræ,
visibilium omnium et invisibilium;
et in unum Dominum Iesum Christum,
Filium Dei unigenitum,
et ex Patre natum ante omnia sæcula,
Deum de Deo, lumen de lumine,
Deum verum de Deo vero .....


Hier der Beginn des Credo.
Ich habe vor Jahrzehnten mal eine lateinische Messe besucht. Sehr beeindruckend.
 
M

Mellnau

Guest
In meiner Kindheit hieß es noch: "Dominus vobiscum - Et cum spiritu tuo."
Also: "Der Herr sei mit dir - Und mit deinem Geiste."
 
M

Mellnau

Guest
Hier nochmals die deutsche Fassung:
"Der Herr sei mit dir - Und mit deinem Geiste."
 
M

Mellnau

Guest
Als Katholik möchte ich noch hinzufügen:

Ich bin schon in etlichen Ländern in katholischen Gottesdiensten gewesen:
Zum Beispiel in den USA, in Schottland, in Italien und Spanien, in Russland und in Vietnam.

Und auch wenn man die Sprache nicht versteht, fühlt man sich dann doch irgendwie wie daheim.
Ob das in evanglischen Gottesdiensten auch so ist, frage ich mal?
 

bodhi_

der den bodhi_ selbst tötete
Für evangelische Christen, überhaupt für Christen mag und kann ich nicht schreiben, aber aus mir heraus würde ich hier gerne nacherzählen was ich in Tel Megiddo, in einer 2005 entdeckten unterirdischen, aus dem erstem Jahrhundert stammenden Kirche spürte.

Meine zweite Ehefrau, derzeit schon schwer Krebserkrankt, wünschte sich diese Kirche zu besuchen, da sie ja nur hundert, bis zweihundert Jahre älter sein sollte, als die Himmelfahrt von Joschua Ben Jasaph, dem Christos.

Sie, eine römischkatholische Christin und Filipina durfte diese Kirche noch besuchen und betete dort in ihrer Muttersprache, dem Tagalog auch das Vater unser.

Selber spürte ich, dass das Vertraute, ihr die Nähe zu Jesus und mir die Nähe zu meiner Ahnen Heimat es war was sich auch heimatlich somit zeigte.

Bietet sich eine Brücke, mit Pfeilern, die auf irgend eine Weise auf Vertrautheiten ruhen spüre ich selbst im fremdesten heimatliches.

Wie es nun Kalvinisten, Lutheranern und anderen Evangelisten, in deren eigenen Kirchen, die aber in der Fremde mit fremden evangelischen Christen im Gottesdienst ergeht und wie sie auch da Heimat spüren, ob sie eher liturgisches und Zeremonien, oder doch eher die Worte der Predigt hören und erleben mögen, weiß ich selbsterklärend nicht.

Für mich war und ist es immer noch ein wohliger Gewinn, wenn sich meine eigenen wohligen Nischen mit Neuem ergänzen möchten und lassen und die Heimat immer größer zu werden scheint, als sie zuvor soeben noch war.
 
M

Mellnau

Guest
Gerne erinnere ich mich auch an den Fronleichnamstag und an die feierlichen Prozessionen.
Heute ist es ja cool und angesagt, sich über den seltsamen Namen lustig zu machen.

Man sollte diesen Namen vielleicht auch mal ändern.

Kurze Erklärung:

"Fron" bedeutet hier einfach "Herr".
"Fron" ist sprachlich verwandt mit "Frau" - die untergegangene männliche Form des Wortes.

Und "Leichnam" bedeutete damals einfach "Leib" - also auch den lebendigen Leib.

Und so bedeutet Fronleichnam schlicht und einfach: der Leib des Herrn.
Womit in diesem Falle die Hostie gemeint ist.
 
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