Extremsituationen und Bewusstsein

Apfelkern

Member
In Extremsituationen kann subjektive betrachtet ein Bruch in der Kontinuität der gewohnten Stabilität der physischen Umwelt entstehen.

Beispiel dafür sind, dass es bei Unfällen vorkommen kann, dass man sich selbst von ausserhalb des Körpers wahrnimmt. Oder dass die Zeitwahrnehmung total anders ist (wie in Zeitlupe oder aber rasend schnell). Auch kommt es vor, dass man sich für kurze Zeit in ganz anderen Welten wieder findet.

Selbst habe ich in diesem Leben mehrere solcher Unfallszenen erlebt und bin mir bis heute nicht so sicher, wie ich mir auf das Erlebte einen Reim machen könnte.

Dieses Phänomen möchte ich darum gerne näher ergründen, aus wissenschaftlicher, psychologischer und auch aus spiritueller Sicht.

Wie kann man solche Phänomene aus den verschiedenen Perspektiven erklären?
Haben sie aus eurer Sicht einen Zusammenhang mit spirituellen Phänomenen?

Wer mag, darf auch sehr gerne über eigene Erlebnisse und deren Auswirkungen auf das eigene Leben, Wahrnehmen, Verstehen... berichten.
 

Apfelkern

Member
Das Thema steht derzeit im Unterforum Psychologie, mir schwebt jedoch eine interdisziplinäre Diskussion vor.

Ich bitte darum, dass das Thema nicht in verschiedene weitere Themen aufgeteilt wird, sondern bei Bedarf an einen anderen Ort verschoben wird. Wenn eine Diskussion in verschiedene Unterforen zerstreut wird, verliere zumindest ich den Überblick.

LG
 

Apfelkern

Member
Also, ich erzähl mal ein Beispiel von so einer Unfallszene aus der Jugend.

Ich fuhr bei einer Kollegin auf dem Moped mit. Die Strasse ging steil hinab und war kurvig. Die Bremsen vom Moped waren nicht stark genug, wir wurden immer schneller und dann knallte das Moped in einen der Baumstämme, die dort die Funktion von Leitplanken hatten.
Ich flog im hohen Bogen über meine Kollegin hinweg in den Wald hinunter.

Während des unfreiwilligen Fluges kam es dabei zu einer selltsamen Wahrnehmung. Die Zeit verging extrem langsam, die Stimme meiner schreienden Kollegin war verzerrt und tiefer, ich sah meinen Körper von aussen, usw...
Dann holte mich ein beissender Schmerz an der Lippe schlagartig in meinen Körper zurück. Ich war in einer kleinen Tanne gelandet und hatte mir dabei eine kleine Platzwunde zugezogen, sonst war alles ok. Von der Tanne kletterte ich schnell hinunter und dann wieder auf die Strasse rauf, zu meiner schreienden Kollegin.

Für mich war das eine seltsame Entgrenzungserfahrung. Nicht die erste und nicht die letzte; bloss eine, die sich leicht erzählen lässt.

Wie kann man sich so etwas erklären?

Ist die Wahrnehmungsveränderung ausschliesslich eine innerpsychische Reaktion auf ein traumatisches Erleben?

Oder greift das Bewusstsein in Extremsituationen auf Fähigkeiten zu, die unter normalen Umständen friedlich schlummern?

Könnte man gegebenenfalls willentlich damit arbeiten?
 

Ingwio

Hexer
Ist die Wahrnehmungsveränderung ausschliesslich eine innerpsychische Reaktion auf ein traumatisches Erleben?

Oder greift das Bewusstsein in Extremsituationen auf Fähigkeiten zu, die unter normalen Umständen friedlich schlummern?
Hehe, beides beantworte ich mit ja. Dazu gibt es auch Experimente. Bungeespringen. Dabei wurde den Probanden eine Art Armbanduhr an den Arm gebunden die einen Ziffernfolge von 0 über 1; 2; 3 und so weiter in einer uns wahrnehmbaren Geschwindigkeit anzeigen, also schnelleres Anzeigen der Zahlen würde uns z.B. nur die 0, dann die 2, oder bei noch schnellerer Anzeige immer konstant eine 8 bewusst werden lassen. Nun gab die Art Uhr aber tatsächlich eine schnellere Zahlenreihenfolge von 0; 200; 1; 199; 2; 198 und so weiter ab aber der Proband nahm nur 0; 1; 2; 3 und so weiter vor dem Sprung wahr. Nun hatte man auch in die Nähe Leute gestellt die verständlich für den Probanden von tödlich missglückten Bungeesprüngen sprachen und der Proband war auch noch ein unerfahrener Springer. Ihm wurde die Aufgebe gegeben die Art Uhr während des freien Falles zu beobachten und eventuelle Zählfehler zu entdecken. Die meisten Probanden erkannten während des Sprunges klar und deutlich die gegenläufigen Zählungen 0; 200; 1; 199; 2; 198, die sie dann wieder zurück auf die Absprungplatform gebracht nicht mehr erkennen konnten und stattdessen wieder die Zählung 0; 1; 2; 3 und so weiter wahrnahmen. Einige wenige Probanden erlebten sogar Lebenserinnerungen aus längst vergessenen Erinnerung, also nahmen Bildsequenzen längst vergangener Tage wahr, oder erlebten kurze Wunschtraumvorstellungen.

Also ja, in traumatischen Situationen verändern sich die Aufnahmefähigkeiten, man nimmt mehr wahr als gewohnt und gehen die Filter des aussortieren so besagter Unwichtigkeiten zurück was dann unserer sonstig gewohnten Zeitwahrnehmung gegenüber wie Zeitlupe erscheint, aber nur mehr Informationen im selben Zeitraum der ansonsten informationsärmeren Wahrnehmung entspricht. Und ja, diese Fähigkeiten schlummern bei uns Menschen in gewohnten Ereignissen, da ansonsten unser großes Gehirn überfordert wäre und quasi zu heiß laufen würde. Bei Fliegen, also den Insekten, soll es sich anders verhalten und zwar das sie viel mehr zeitvisuell wahrnehmen als wir und daher unseren sie töten wollenden Klatschhänden gelassen ausweichen können und Fliegenklatschen dies überbrücken können. o_O

Könnte man gegebenenfalls willentlich damit arbeiten?
Und noch einmal ja, von meiner Seite. Im Kampfsport, ich mache Kickboxen, kann man diesen Flow ebenfalls herbeiführen in dem man Furcht und Angst etwas bewusster freien Lauf lassen lernt und weniger dem Ziel des Eigenschutzes und Siegens folgt. Damit gelingt eine anfänglich zeitlupenähnliche Wahrnehmung, die in Wirklichkeit eher nur in gleicher Zeit mehr Wahrnehmungen als normal zulässt und gelassener reagieren lässt.

In Trance kann dies ebenfalls erreicht werden und in solcher Trance erlebe ich auch die Naturgeister.
 
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